Jagdberichte

Karibou

Elch und Kariboujagd zu Pferde im Yukon

Wildnisjagd in der unberührten Natur von Kanadas Nordwesten

Der Yukon wurde vor allem durch den Goldrausch am Klondike River (1896-1898) bekannt, welcher damals hunderttausende aus Kalifornien und anderen Regionen nach Kanada wandern lies um ihr Glück im Gold zu suchen. Noch heute gibt es viele Denkmäler der alten Goldgräberstimmung wie z.B. ein Museum in Whitehorse der Hauptstadt und dem Zielflughafen einer jeden Reise nach Yukon. Neben dem Gold bietet der Yukon aber auch atemberaubende Landschaften, den zweit höchsten Berg Nordamerikas und Wildnisjagden pur. Es handelt sich bei dieser Region um ein wildes, bergiges und spärlich besiedeltes Territorium im Nordwesten Kanadas. Wer sich dazu entschließt in Yukon zu jagen muss ein par Abstriche in punkto Komfort mit einplanen, da es sich fast ausschließlich um Wildnisjagden in Spikecamps handelt, dafür wird der Jäger aber mit einer sehr ursprünglichen Natur und anstrengender aber sehr schöner Jagd belohnt.

Wenn es auf große Elche gehen soll gibt es nur 2 Alternativen den Kamtschatka Elch oder den Alaska-Yukon Elch. Nach langer Recherche und Vergleich der Optionen der verschiedenen Ländern Kamtschatka, Alaska oder Yukon fiel für mich die Entscheidung, meine Jagd im Yukon durchzuführen. Im Yukon werden die Jagden fast ausschließlich von Spikecamps durchgeführt die entweder zu Pferd oder Quad erreicht werden. Meine Entscheidung viel auf die Jagd zu Pferde, auch wenn ich noch nie vorher auf einem Pferd gesessen war, konnte mich der Outfitter dennoch davon überzeugen, dass dies schnell erlernbar wäre. Mit dieser Gewissheit wurde der Plan fixiert und alles für die erste Septemberwoche gebucht. Da zu dieser Zeit ebenfalls Caribous bejag bar sind, hatte ich mich gleich für eine Kombijagd entschieden.

Anfang September ging es dann los und via Direktflug mit Condor von Frankfurt nach Whitehorse entspannt in 9h an das gewünschte Ziel. Bereits am Ankunftstag traf ich weitere US Jäger die mit mir im gleichen Revier jagen werden. Die erste Nacht wird immer im Hotel verbracht, in dem wir auch alle unsere nicht benötigten Gegenstände wie Waffenkoffer oder überzähliges Gepäck währen der 10 Tage Jagd abstellen konnten. Am nächsten morgen ging es dann bereits los mit dem Wasserflugzeug 4h direkt in das Hauptcamp für die Jagd. Das Revier grenzt direkt an das Northwestterritory an und ist nur via Wasserflugzeug erreichbar.

Im Hauptcamp angekommen wurden wir direkt von dem Outfitter und unseren Guides begrüßt und nach dem Beziehen unserer Unterkünfte wurde bei einem gemütlichen Abendessen die Jagd besprochen. Früh morgens ging es dann los, nach dem Packen der Pferde ritten wir zu unserer Spikecamps. Jeder Jäger hatte dabei einen Guide und 5 Pferde, jeweils ein Reitpferd für Guide und Jäger sowie 3 Packpferde mit Boxen für unsere Verpflegung der nächsten 10 Tage und Zelte für die Nacht. Bei unserem Ritt von ca. 3h durch die Wildnis Yukons konnte wir bereits einige Karibous, sowie einen Bären sehen, welche uns argwöhnisch beäugten. Der Indiansummer hatte schon voll zugeschlagen und die Landschaft in die verschiedensten Farben gehüllt. Angekommen an unserem Platz für unser 10 tägiges Spikecamp bereiteten wir zunächst die Plätze für unsere Schlafzelte vor und packten alle unsere Vorräte unter eine Plane, um sie gegen möglichen Regen oder Schnee zu schützen. Auch wenn Anfang September in der Regel noch nicht mit Schnee zu rechnen ist kann es durch die Höhenlage trotzdem zu vereinzelten Schneefällen kommen. Erschöpft von dem langen Reiten und Aufbauen des Camps gingen wir früh zu Bett, um am nächsten morgen pünktlich unseren ersten Jagdtag zu starten. Kurz nach Sonnenaufgang hörte ich dann plötzlich kleine Glöckchen klingeln, überrascht von dem Geräusch verlies ich mein Zelt und sah das mein Guide bereits unsere Pferde eingesammelt hatte. Abends ließen wir diese frei ziehen, damit sie in der Nähe fressen konnten und er hatte ihnen kleine Glöckchen umgebunden, um sie einerseits am Morgen schnell wieder zu finden und andererseits auch Bären abzuhalten.

Nach einem reichhaltigen Frühstück bestehend aus Eier, Speck, Toast und Bohnen sowie einem heißen Kaffee von unserer Feuerstelle ging es auch schon los mit den gesattelten Pferden Richtung aussichtsreiche Stellen für Elch. Zu dieser Zeit ziehen die Elche gerne an die kleinen und großen Seen sowie Bachläufe, welche hier zahlreich vorhanden sind. Unser Revier besteht aus vielen Tälern und Canyons in denen sich die Elche aufhalten können. Um einen besseren Überblick über das große Areal zu bekommen ritten wir entlang des kleinen Flusses, welcher an unserem Spikecamp vorbeiführt, um an ein Hochplateau zu kommen von wo wir eine große Ebene übersehen konnten. Aus der Entfernung sah dies wie ein leichter Ritt durch niedrige Büsche aus, aber weit gefehlt, je näher wir an das Hochplateau kamen umso höher wurden die Büsche. Nachdem wir nahegenug am Plateau waren ging es zu Fuß weiter durch die bis zu 1,7m hohen Büsche auf eine Anhöhe. Von hier konnten wir ein großes Tal einblicken und hatten den kleinen Fluss sowie 2 Seen direkt vor uns. Auf unserem Ausblick angekommen richteten wir uns gemütlich ein und glasten in regelmäßigen Abständen die Ebene ab. Zunächst sahen wir keinerlei Bewegung und genossen die Ruhe bei warmen Temperaturen und leichter angenehmer Brise. Gegen 16:00 kam plötzlich Bewegung in meinen Guide und er hatte eine Gruppe Karibous ausgemacht, welche auf ca. 800m an den kleinen See zogen. Wir beobachteten die Gruppe für mehr als 1h wie sie sich bis auf ca. 500m näherten, da es jedoch nur eine Kahlwildherde mit Kühen und Kälbern war, hatten wir nicht versucht näher heran zukommen und warteten weiter geduldig auf unseren Elch. Da es mittlerweile jedoch bereits anfing dunkel zu werden entschlossen wir uns den ersten Tag zu beenden uns zurück ins Camp zu Reiten. Im Camp angekommen wurde auf offenem Feuer eine deftiges Chilli concarne gekocht und der nächste Jagdtag besprochen. Diesmal sollte es in eine andere Region des Revieres gehen, in dem auch mehrere Elche gesichtet wurden.

Am nächsten Morgen ging es nach dem obligatorischen Frühstück und dem Satteln der Pferde wieder los. Nach ca. 2,5h auf dem Pferd hatten wir unser Gebiet erreicht und ritten langsam diverse Stellen ab, um einen größeren Bereich abdecken zu können. Die Landschaft war diesmal etwas offener und felsiger als am Tag zuvor, jedoch hatte Diana kein Glück für uns parat, so dass wir den ganzen Tag geritten und gelaufen sind ohne nur ein einziges Stück wild zu sehen. Etwas enttäuscht von der Nullnummer kamen wir gegen Abend zurück ins Camp und entschlossen uns am nächsten Morgen es nochmal an der See vom Vortag zu versuchen, der uns zumindest schonmal die Karibous beobachten lies.

Gesagt getan frühmorgens ging es wieder los zu unserem Hochplateau von dem wir die Ebene überblicken konnten. Nach ca. 1h Reiten schlug das Wetter um und aus schönem Sonnenschein wurde Dauerregen was unsere Motivation jedoch keinen Abbruch tat, da wir heute ein gutes Gefühl hatten, dass wir etwas sehen werden. Nach 2h im Dauerregen waren wir froh, dass wir mit Sitka und Deerhunter wasserdichte Kleidung anhatten und diese nach dem aufklaren des Himmels wieder schnell trocken war. Mit den ersten Sonnenstrahlen nach dem Regen kam auch Bewegung in die Ebene. Weit in der Ferne konnten wir einen Schwarzbär vorbei ziehen sehen, danach sahen wir erneut eine Gruppe von Karibous, vermutlich die gleichen wie am ersten Tag. Nach einem kurzen Nickerchen entdeckte mein Guide und ich nahezu gleichzeitig ein großer Körper der sich von der anderen Seite des Tales dem See nähert. Sofort waren wir hell wach und versuchten das unbekannte Wesen mit den Ferngläsern zu identifizieren. Da er aber noch im hohen Busch versteckt war konnten wir nur Schatten sehen und nicht ausmachen ob es sich um Bär, Elch oder Karibou handelt. Kurze Zeit später verschwand er hinter einer kleinen Hügelkette die um den See geht. Da die Entfernung viel zu weit war entschieden wir uns hier zu warten, ob er sich am See zeigen wird, anstatt in die Ebene zu reiten. Nach ca. 20 Minuten erspähten wir ihn erneut als er die Hügelkette umschlagen hatte und geradlinig auf den kleinen See zumarschierte. Diesmal konnten wir deutlich erkennen, dass es sich um einen Elchbullen handelt. Da er jedoch noch auf 750m stand war es noch nicht möglich ihn anzusprechen und wir wollten ihm noch etwas Zeit geben sich zu nähern. Der Wind war ideal für uns, da er direkt vom See in unser Gesicht blies, somit war auch keine Eile geboten. Wir beobachteten den Bullen für 1h der sich immer mehr in unsere Richtung bewegt. Als er sich auf ca. 500m im hohen Busch in der Ebene an uns heran kam entschlossen wir uns, dass er für den Abschuss passend ist und wir machten einen Plan wie wir ihn angehen wollten. Da er in der Ebene war und wir noch auf dem Hochplateau gab es nur 2 Optionen entweder wir reiten zurück und versuchen ihn in der Ebene anzupirschen oder wir müssen ihn vom Hochplateau aus erlegen, was einen weiteren Schuss zur Folge hätte. Nach kurzer Überlegung entschieden wir uns die Weitschussvariante zu nehmen, da die 8x68s genug Energie und auch eine gestreckte Flugbahn für weite Schüsse aufweist, sollte dies die beste Option sein, um den Elch nicht zu verlieren. Von unserem Beobachtungspunkt pirschten wir uns nun vorsichtig durch die Büsche bis an den Rand des Hochplateaus, welches danach fast senkrecht zu dem Fluss hin abfällt. Wir hielten dabei immer Blickkontakt zu dem Elch, um ihn nicht in den hohen Büschen zu verlieren. Am Rand angekommen konnten wir den Elch noch gut sehen der nun in etwas offeneres Gelände gezogen war. Laut meine Leica Geovid war die Distanz noch 450m, da der Bulle jedoch noch Spitz von vorne in unsere Richtung trottete, wollten wir noch auf den richtigen Moment warten. Wir richteten das Dreibein ein und ich ging in Anschlag um fertig zu sein, sowie der Bulle die entsprechende Distanz erreicht hat. Als der Elch ca. 370m von uns entfernt war, drehte er sich breit und noch bevor er die hohen Büsche erreichen konnte lies ich die 8x68s CDP aus meiner R93 fliegen und erwischte den Elch auf 370m hoch Blatt, der Bulle zeichnete, blieb aber wie in Schockstarre stehen und ging erst nach meinem Zweiten Schuss auf das Blatt nach unten. Überglücklich über meinen ersten Yukonelch packten wir zusammen und ritten mit den Pferden zu dem Elch für die obligatorischen Bilder und um ihn zu versorgen. Für den nächsten Tag war der Plan nun klar wir müssen den Elch komplett aus der Decke schlagen und alles Fleisch ins Camp transportieren, da nach kanadischem Gesetz kein Fleisch in der Wildnis verbleiben darf. Nach der Versorgung des Elches ging es zurück Richtung Camp, aber der Tag war noch nicht beendet.

Auf dem Rückweg erspähten wir plötzlich eine Gruppe von Karibous, welche sich am Ende eines felsigen Aufstiegs am Berg niedergetan hatten. Von Fuße des Berges konnten wir mit unseren Gläsern erkennen, dass sich 3 gute Bullen in der Gruppe befanden, inklusive einem mit 2 Vorderschaufeln, wie ich ihn bevorzugen würde. Nach kurzem überlegen entschieden wir uns den steilen Aufstieg in Kauf zu nehmen und wir pirschten uns durch das Geröll und die Felsen vorsichtig Schritt für Schritt Richtung der Karibous. Die Felsformationen gaben uns sehr gute natürliche Deckung, so dass wir sehr nahe an die Karibous heranpirschen konnten. Nach ca. 30 Minuten Aufstieg waren wir vermutlich ca. 200m von den Karibous entfernt, konnten sie aber durch die Felsen nicht mehr sehen. Beim letzten Aufstiegspunkt hatten wir uns eine kleine Felsformation ausgemacht von wo wir die Karibous in Anblick bekommen sollten, um dann den passenden zu erlegen. Was wir jedoch nicht wussten war dass es bereits der letzte Felsen vor den Karibous war und als wir uns aus der Deckung zu dem Felsen begaben standen die Karibous plötzlich auf 180m frei vor uns und alle Augen auf uns gerichtet. Nun musste es schnell gehen der passende Karibou war zum Glück schnell ausgemacht und noch bevor die Herde abspringen konnte hatte ich mich schon auf dem Rucksack eingerichtet und der Schuss fiel. Der Karibou wurde auf 180m direkt Blatt getroffen und lag sofort im Feuer während der Rest der Herde über den Berg abzog. An diesem Tag war uns Diana sehr hold, so konnten wir nicht nur den Elch sondern am gleichen Tag noch einen starken Karibou erlegen. Nach dem wir den Karibou versorgt hatten nahmen wir uns noch die 2 Lenden mit und ritten zufrieden zurück in unser Basis Camp mit der Gewissheit am nächsten Tag ausschlafen zu können. Abends wurden dann die Lenden gleich in der Pfanne als Kurzgebratenes gut gewürzt zubereitet und wir ließen einen ereignisreichen Tag am Feuer Revue passieren.

Am nächsten Tag waren wir von morgens bis abends beschäftigt den Elch und Karibou aus der Decke zu schlagen und mit Hilfe der Packpferde das komplette Fleisch zurück ins Camp zu transportieren. Da ich bereits nach 3 der geplanten 10 Tage meine beiden Wildarten erlegt hatte, entschied ich mich am 7. Tag zusammen mit all dem Fleisch, welches wir geborgen hatten ins Hauptcamp zu fliegen, um noch einige Tage zu angeln. Im Hauptcamp traf ich auch wieder auf die amerikanischen Jäger die auch bereits ihre Trophäen hatten, bzw. der ältere der beiden direkt jeden Morgen aus dem Hauptcamp los ritt anstatt vom Spikezeltcamp.

Nach 10 Tagen ging es dann via Wasserflugzeug wieder zurück nach Whitehorse, was ich dann noch nutzte um in Whitehorse verschiedene Denkmäler und Ausstellungen der Goldrushzeit und der Ureinwohner mir anzuschauen, bevor es am nächsten Tag wieder mit sehrt vielen schönen Erinnerungen und Erlebnissen zurück nach Deutschland ging. Wer auf der Suche nach starken Elchen ist und eine ursprüngliche Jagd nicht scheut ist im Yukon definitiv sehr gut aufgehoben. Dank der Jagd zu Pferde ist es auch für Jäger, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind machbar, selbst wenn es wie bei mir das erste Mal auf einem Pferd ist. Ich persönlich möchte die Erfahrung nicht mehr missen und werde in Zukunft sicher zurück kehren um mich den Dallschafen zu widmen, die hier ebenfalls bejagt werden können.

Weitere Details zur Jagd in Kanada
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